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Suche nach unseren Wurzeln

Auszug zur pfälzischen Mühlengeschichte

Zur Geschichte der Mühlen am mittleren Glan

Flugzeugabsturz am Hermannsberg

Waldstreitigkeiten zwischen Horschbach und Hachenbach

 Der Wolf in unserer Gemeinde

Von Horschbach und dem Römerschloss im Hermannsberg

Horschbach, Namensgebung

Sinn der Dorfnamen in unserer Umgebung

Einwohnerzahlen aus den Hermannsberggemeinden

Wanderung am Hermannsberg

 

Suche nach unseren Wurzeln

 

Entdeckungsreise in die eigene Vergangenheit.

Interessantes zum Thema Ahnenforschung von Robert Schneider, Horschbach

 

Um den Ahnenkult zu pflegen betreiben manche Menschen einen gewaltigen Aufwand.

 

In akribischer Kleinstarbeit verstehen es die Genealogen, wie die Ahnenforscher im Fachjargon

genannt werden, sich in alte Schriften einzulesen, Urkunden und Kirchenbücher zu entziffern und

alte Dokumente (z.B. Leichenpredigten, Druckschriften usw.) auszuwerten.

 

Die Leidenschaft für diese genealogische Fleißarbeit wurde früher schon in der Grundschule

geweckt: Mit einer Hausaufgabe, bei der alle Schüler einen Stammbaum ihrer Familie erstellen

sollten.

Heute benutzen viele das Internet für die Familienforschung. Das World Wide Web hat schon

Millionen Stammbaumsucher zusammengebracht, welche ihre Erkenntnisse gegenseitig aus-

tauschen. Mehr als eine Million Besucher pro Tag fahnden hier nach den Namen ihrer Vorfahren.

Die Vorstellung, via Internet den eigenen Stammbaum bis zu Adam zu Eva herunterzurutschen,

ist freilich nur ein Wunschtraum.

Ferner ist die Münchner Bibliothek der Mormonen ein sehr aufschlussreicher Anlaufpunkt.

Die Kirche mit ihren weltweit 3500 Zweigstellen besitzt die größte Sammlung genealogischer Daten

auf die jeder Zugriff haben kann.

 

Mit Herrn Karl Köhler aus Offenbach-Hundheim, ein sehr arrangierter Ahnenforscher, besuchte ich

schon des öfteren die Zweigstelle in Kaiserslautern. Nach meinem ersten Besuch war mir klar,

dass ich in Zukunft schon morgens um 7.00 h dort anstehen muss, da später alle fünfzig

elektronischen Lesegeräte besetzt sind.

 

Alle, von den Mormonen erfassten Daten und Unterlagen, lagern in einem ständig bewachten,

unterirdischen, atombombensicheren Bunker in Salt Lake City im Bundesstatt Utah.

 

Zum Schluss eine kleine Anekdote aus meinem rund 30-jährigen Hobby, der Ahnenforschung:

Im Jahre 1977 suchte ein junges Ehepaar, David und Susie Reinheimer aus Bowdionham im

Staate Main/USA, in Horschbach nach Vorfahren des Ehemannes. Gerne habe ich ihrer Bitte

entsprochen, ihnen bei der Suche nach ihren Wurzeln behilflich zu sein (wen einmal das Fieber

der Ahnenforschung gepackt hat, der kann nicht nein sagen). So konnten wir gemeinsam die

sich in ihrem Besitz befindlichen jüngsten Unterlagen (family tree, zu deutsch Stammbaum)

nach mühevollen Recherchen bis zum Ururururgrossvater, Simon Peter Reinheimer geb. 1765

in Horschbach, heiratete am 30.01.1787 Maria Margaretha Diehl aus Horschbach, vervollständigen.

 

Aus alten Kirchenbüchern geht hervor, dass besagter Simon Peter Reinheimer der Sponsor der im

Jahre 1791 erbauten Horschbacher Kirche, d.h. maßgeblich an der Finanzierung beteiligt war.

 

Nun das kuriose an der Geschichte: im August 2001 besuchte eine Gruppe von 15 Personen

namens "Reinheimer" aus Jonestown, Philadelphia/USA, Horschbach. Im einzigen Gasthaus des

Ortes "Zum Alten Keiler" machten sie Rast um eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Mit dem Wirt,

Oliver Allmang, kam man ins Gespräch und dieser konnte entnehmen, dass auch diese Leute

wegen ihrer Vorfahren namens "Reinheimer" nach Horschbach gekommen sind. Es lag nun nahe,

nach einem Rundgang durch den Ort und Besichtigung unserer schönen Kirche, die Personen

an mich zu verweisen.

 

Da ich mir die Unterlagen von dem Besuch des David Reinheimer von 1977 in Kopie behalten

habe, konnten wir eindeutig feststellen, dass der UrUrUrgrossvater des David und der des

Rollin, Brüder waren und Selbige den Simon Peter Reinheimer und die Maria Margaretha Diehl

als Eltern hatten.

 

Bisher waren sich David und Rollin fremd, nun stehen sie telefonisch und schriftlich in Kontakt

und ein gegenseitiger Besuch im weiten Amerika wird folgen.

 

Fast alle deutschstämmigen Amerikaner betreiben nach meiner Meinung Ahnenforschung am

intensivsten, so kann sich der Leser vorstellen, welche Freude so ein kleiner Ahnenforscher

aus Horschbach ausgelöst hat.

 

Ahnen sind Menschen, die nichts davon geahnt haben, was mal kommen wird.

Ralph Boller, Schweizer Autor

 

 

 

Auszug zur pfälzischen Mühlengeschichte

von Albert Zink Erdesbach/ Erschienen im Heimatblatt des Remigiuslandes im Oktober 1926

Zu Hachenbach hat Clauß Scherer ein rheingräfischer Untertan, welcher nunmehr Lichtenbergisch ist, 
vor 25 Jahren auch ein Plätschermühlchen an das Bächlein, die Horschbach genannt, erbaut, ist weit 
vom Dorf und zu gebrauchen etwas ungengklich gelegen. Kann nit wohl erachten Pfachts nach der Billig-
keit darauf zu legen sei, möcht vielleicht genug sein mit einem Malter Korns.   

Nota: Diesem Mühlchen seind 2 Mltr. beeder Frucht uffgesetzt worden.

Zu Horschbach an dem Dorf ist in 10 Jahren uff das Bächlein daselbst auch auch ein Mühlchen gebaut 
worden. Die Besitzer und Inhaber derselbigen seindt diese nachbenannten:

  1. Jakob Dhiel ein Lichtenbergischer Untertan

  2. Gerg Hanns ein Lichtenbergischer Untertan

  3. Baumen Peter ein Lichtenbergischer

  4. Gebhart Zimmermann auch Lichtenbergisch

Dies Mühlchen möcht zinsbar gemacht werden um ein Malter firnzel Korns.

Nota: Dieser Mühlen sein 3 Malter veder Frucht uffgesetzt worden. 

Zu Elzweiler ziemlich weit unten am Dörflein bei der Welchweiler Furt, hat Lorenz Moer von Horschbach  
vor 30 Jahren auch ein klein Pletschermühlchen an das Elzweiler Bächlein gebauet, die Inhaber derselbigen 
seind diese:                                                        

  1. Lorenz Moer von Horschbach ein Lichtenbergischer

  2. Peter Werner daselbst ein Lichtenbergischer

  3. Josef Moren Kinder von Elzweiler auch Lichtenbergisch

Dies Mühlchen ist gering und vom Dorf weit gelegen, ist ziemlich beladen wann ein Jahr 1 1/2 Mltr. Korns 
davon sollen fallen.            Nota: Dies Mühlchen soll fürderhin 2 Mltr. veder Frucht Thaler Maßung gen 
Lichtenberg reichen.                                                    Summarum des Pfachts, so obgemelte Mühlen 
derogestalt jährlich tragen konnten ist. 27 Mltr. vederlei Frucht, halb Korn und halb Haber, Thaler Maßung.  

"Und sollen zu des klosters Offenbach Mühlen gebannte Mäler dazu gebannt bleiben und außerhalb wann 
ihnen nit darin geholfen werden kann nirgens anders wohin fahren, den anderen getauschten Leibeigenen 
im Thal wie auch anderer Herrn Untertanen, aber so im Thal wohnhaftig zu Offenbach oder in gemelten 
Pletschmühlen, wo ihnen gefällig zu mahlen frei stehen. Doch daß niemand außerhalb der noth infremde 
Herrschaften außerm Thal bei Straf fahren solle."

Datum: Zweibrück d. 27 Martii anno `96 (1596)

 

Zur Geschichte der Mühlen am mittleren Glan

von Albert Zink, Erdesbach

Im Altertum wer es den Hausfrauen, z um Teil auch den Sklaven überlassen in Mörsern mit Stößeln aus
der ausgedroschenen Frucht das Mehl zu stoßen. Nach und nach gab man den zermalenden Flächen der
steinernen Mörser eine raue Oberfläche und fing an das zerkleinern des Getreides mehr durch reiben als
durch stoßen  zu bewirken. Wegen des großen Kraftaufwandes und der langsamen Gewinnung des Mehles
trat in Stelle der Handmühle die Roßmuehle. Sie war unserer heutigen Obstkelter ähnlich, bestand aus
einem runden Bodenstein mit einer tiefen Rinne, in der ein Mahlstein lief. Um die Jahre 1000 kam die
Wassermühle auf. Grundherren und freie Gemeinden errichteten sich solche. Hörige mahlten dort die
Früchte der Herrschaft und der Gemeinsleute gegen einen geringen lohn. Als man dann die Mühlen in Lehen
gab, entstand das Mühlengewerbe. Ursprünglich war die Anlage einer Mühle völlig freigestellt als man jedoch
die Erfahrung machte, daß die weiter unten an einem Flusse angelegte Mühle die oben gelegene beein-
trächtigte, so traten in dieser Beziehung Beschränkungen ein, wieder Mühlenzwang. Die Verbindlichkeit der
Einwohner des einer Mühle zum gehörigen Bezirke, ihr Korn eben nur in dieser Mühle mahlen zu lassen. Diesen
Mühlenzwang nannte man die "Mühlenbannerlität", den Müller "Bannmüller" und die Mühle "Bannmühle". Ließ ein
"Banngast" oder "Mähler" außerhalb des "Bannes" mahlen, so hatte er den "Bann" gekränkt und bezahlte diesen
Verstoß gegen die Ordnung mit dem Mahlgut. Erst seit 1798 wurde der Mühlenzwang in unserem Lande aufge-
hoben. Oft mußten jedoch die Bannmühlen in trockenen Jahreszeiten wegen Wassermangels still stehen. Dann
halfen die Notmühlen oder Plätschermühlen aus, die aber von den Mahlgästen nur dann befahren werden durften,
wenn sie der Bannmüller nicht "befördern" konnte. Am 29. Juni 1760 erklärten sich die Besitzer Fockenmühle
(Patersbach) der Lorenzenmühle (zwischen Horschbach und Elzweiler) der Schrammenmühle, der Welchweiler,
der Erzweiler, der Rathsweiler oder Niederalber, der Gumbsweiler und der Erdesbacher Mühle bereit jährlich
einen Erbzins von 12 Malter (mltr.) Korn zur Kellerei Lichtenberg zu liefern. Dafür wurde ihnen die Verpflichtung
gegeben, daß in diesem Distrikt keine weitere Mühle errichtet werde. Auch wurde den Müllern erlaubt in die
Dörfer zu fahren und dort Mahlfrucht zu holen. 

Die Verteilung der12 Mltr. Korn wurde von Oberamt Lichtenberg so festgesetzt:

Mühle Malter Mltr. Faß
Lorenzenmühle - 5
Erzweiler Mühle - 2
Elzweiler oder Welchweiler Mühle - 5
Gumbsweiler Mühle 2 2
Schrammenmühle 1 3
Erdesbacher Mühle 2 2
Bodenmühle 2 5
Niederalber oder Rathsweiler Mühle 1 -

 

 

Flugzeugabsturz am Hermannsberg

 

Die Halifax „L. London" des kanadischen Piloten Arthur Sedgwick;
Abgestürzt am 18. November 1943 bei Oberweiler im Tal
von Klaus Zimmer

Der Angriff

In der Nacht vom 18. auf den 19. November 1943 hatte es die Royal Air Force (RAF) eigentlich
auf Berlin abgesehen. Dorthin starteten am frühen Abend auch 440 schwere Bomber des Typs
„Lancaster". Gleichzeitig wollte man einen Ablenkungsangriff auf das Industriezentrum

Mannhelm- Ludwigshafen durchführen, wohin man zwei Stunden vorher 395 Bomber der Typen

„Halifax", .Sterling" und „Lancaster" geschickt hatte. Die Rechnung schien zunächst auch aufzu-

gehen. Während sich die deutsche Luftwaffe ganz auf die In unseren Raumeinfliegende

Streitmacht konzentrierte, konnte die Berliner Formation kurz darauf fast unbehelligt zu ihrem Ziel
gelangen. Doch es war das Wetter, das den Angreifern zu schaffen machte. Über Berlin lag eine

geschlossene Wolkendecke, so dass die Bombardierung blind durchgeführt werden musste und

die Bomben ziemlich zerstreut herunterfielen. Schäden gab es hauptsächlich für die Zivilbevölkerung:

169 Häuser wurden völlig zerstört, 131 Menschen kamen um (darunter 27 Fremdarbeiter

und Kriegsgefangene).
Für unser Gebiet meldeten die deutschen Beobachter einen sternenklaren Himmel,

Nordostwind (4 m/Sekunde), einen abnehmenden Mond im letzten Viertel und eine Temperatur

von +3,5*0. Die briti­schen Maschinen flogen zunächst nördlich von Mannhelm/Ludwigshafen

über den Rhein, drehten dann östlich der beiden Städte nach Süden ab und griffen von dort

kommend an. Im Einzelnen wurde für die Spitze der 1. Welle (folgende Route gemeldet:
 

19.02 Uhr: Holland und Westfrankreich
19.20 Uhr: Reims, Kurs SO
19.26 Uhr: Diekirch, Kurs SO
19.33 Uhr: Trier, Kurs SO
19.43 Uhr: Donnersberg
19.52 Uhr: östlich Weinheim
19.59 Uhr: südlicher Anflug auf Mannheim
 

Kurz darauf wurde eine 2. Welle bei Kaiserslautern beobachtet, die sich um 20.15 Uhr bei
Wiesloch auf Kurs SO befand. Auch diese Maschinen drehten dann westwärts zurück Richtung

Rhein, um einen Angriff anzusetzen. Aus den gesammelten Daten berechnete die deutsche

Luftschutzleitung eine Ge­schwindigkeit von 450 bis 500 km/st für die Flugzeuge.

Da sich über Mannheim und Ludwigshafen Wolken zusammenzogen, war auch hier das

Bombardement ziemlich zerstreut. In Mannheim waren hauptsächlich der nördliche Teil der

Stadt und das umliegende Gebiet betroffen´.
Die Daimler-Benz-Autofabrik wurde zu 90 %. zerstört. Ansonsten sanken 325 Häuser in

Schutt und Asche, 4 Wehrmachtskasernen und der Flugplatz Sandhofen wurden ebenfalls

getroffen. In Mannheim verloren In dieser Nacht 21 Menschen Ihr Leben.
Die Nachbarstadt Ludwigshafen kam wesentlich glimpflicher davon. Die meisten

Maschinen flogen an Ludwigshafen vorbei und hatten es auf Mannhelm abgesehen.

Zwar wurden um 20.26 Uhr das Gebiet der IG- Farben, der Firma Knoll AG, der Firma Raschig AG,

der nördliche Stadtteil und die Rheinbrücke durch Kaskaden und Leuchtbomben markiert,

doch der befürchtete Großangriff blieb aus. Nur 120 Stabbrandbomben, 30 Phosphorbrandbomben,

8 Sprengbomben und eine größere Zahl von Flugblät­tern wurden abgeworfen. Registriert
wurden lediglich geringe Schäden, und es kamen keine Menschen ums Leben. Dieser Angriff war

vorläufig der letzte größere auf den Raum Mannheim-Ludwigshafen. Erst 15 Monate später

kamen die Bomber in dieser massiven Konzentration wieder.

Die Sedgwick -Besatzung

Mit dabei am 18./19. November 1943 war die Besatzung des kanadischen Piloten Arthur L. Sedgwick,

die bei der 419. Bomberstaffel in Middleton St. George stationiert war und um 16.55 Uhr dort abhob.

Sedgwick selbst hatte zuvor erst zwei Einsätze als Copilot bei einer anderen Besatzung geflogen

und bekam nun eine eigene Mannschaft und eine nagelneue Hallfax mit dem Namen „L. London"

zugeteilt. Der Einsatz In unserem Raum war der erste der Besatzung In dieser Zusammensetzung

über Deutschland und sollte auch ihr letzter sein.

 

Funktion Rang/Name Bemerkungen
Pilot F/S Arthur L. Sedgwick, RCAF gefallen
Flugingenieur Sgt. E. K. Canny, RAF gefangen
Navigator F/O Edgar R. hob, RCAF gefangen
Bombenschütze Sgt. James J. Pappas, RCAF gefangen; t 15.02. 1996
Funker Sgt. K. W. Dlngley, RAF gefangen
MG-Schütze Sgt. Neil McVicar, RCAF gefangen; jetzt Portland, Maine, USA
MG-Schütze Sgt. Douglas M. Johnston, RCAF  


 

Einen Überlebenden des Absturzes bei Oberweiler im Tal konnte der Autor in Portland im

amerikanischen Bundesstaat Maine ausfindig machen; Neil McVicar, kanadischer Staatsbürger,

der der Sedgwick Besatzung als MG-Schütze angehörte. Er wurde in Sidney in Kanada

geboren und kam zusammen mit seinen Eltern im Alter von 2 Jahren nach Portland. Zunächst

arbeitete er in einem Walzwerk und dann in einer Werft, bevor er sich im Oktober 1942 zur

kanadischen Luftwaffe meldete. Seit Juli 1943 war er dann in England stationiert. Seinen

neuen Piloten Sedgwick, der als Einziger den Absturz nicht überleben sollte und vermutlich

den anderen das Leben rettete, charakterisiert er so: „Er war ein feiner Gentleman, ein

heldenhafter Pilot, und ich hatte das Vorrecht, ihn für kurze Zeit zu kennen. Ich danke Ihm,

dass er es mir ermöglicht hat, das Leben bis heute zu genießen."

 

Neben der Sedgwick -Besatzung stürzten am 18. November 1944 noch folgende

britische Maschinen in unserer Gegend ab:


Fußgönheim F/L L. A. Smith, RAAF, 7 gefallen, 1 gefangen
Lampertheim F/S R. Mc C. Simpson, RAAF, 7 gefallen
Edenkoben F/L J. P. H. Wallace, RAAF 5 gefallen, 2 gefangen
Qppenhausen/Hunsrück: F/O E. D. Fogg, RCAF, 7 gefallen


 

Abkürzungen;

F/L Flight Lieutenant
F/S Flight Sergeant
F/O Flying Officer Sgt. Sergeant)
RAF Royal Alt Force
RAAF Royal Australien Air Force RCAF Royal Canadian Air Force

Der Absturz

 

Die Absturzstelle unterhalb von

der Grillhütte im Hermannsberg

 

 

 

 


 

 

Über den Absturz auf dem Rückflug von Mannheim berichtet MG-Schütze Neil McVicar

folgendes: „Wir flogen auf einer Höhe von 7000 m bei einer Temperatur von -32° C und

befanden uns dort auf einer Reichweite der Flak. Auf Grund der Kälte gefroren die

Ansaugvorrichtungen für die Luft ein, und die vier Motoren begannen zu stottern.

Zuerst fielen die beiden auf der Backbordseite aus, dann die beiden auf der Steuerbordseite.

Ohne Antrieb fiel das Flugzeug in spiralförmigen Trudelbewegungen nach unten, bevor

der heldenhafte Pilot auf einer Höhe von nur 2000 m den Sturz abfangen und die Maschine

wieder in einen waagerechten Flug bringen konnte. Er gab dann den Befehl zum Absprung,

weil der Bomber erneut begann, instabil zu werden.
Ich öffnete die seitliche Ausstiegsluke, und der Flugingenieur Canny sprang als Erster ab.

Ich folgte ihm, und nach mir kam der Heckschütze Johnston, Der Bombenschütze
Pappas war nicht in der Lage gewesen, die Ausstiegsluke unter dem Bug zu öffnen, so

dass nur die seitliche Ausstiegsluke in der Mitte der Maschine auf der Backbordseite
zur Verfügung stand. Der Letzte, der absprang, war der Navigator Hoe, der bei nur 300 m

noch hinausgelangte. Lediglich der heldenhafte Pilot Sedgwick schaffte es nicht
mehr und stürzte mit der Maschine ab,"

Sedgwick kreiste noch etwa 15 Minuten lang mit dem Flugzeug im Gebiet von Oberweiler im Tal,

um nach einem Notlandeplatz zu suchen. Abspringen konnte er bei dieser geringen Höhe nicht

mehr. Er fand dann auch eine ideale Stelle rechts der Straße zwischen Hinzweiler und

Schneeweider Hof, oberhalb von Oberweiler Im Tal. Es handelt sich um ein ansteigendes

ebenes Ackerstück, das unter normalen Umständen eine perfekte Bauchlandung ermöglicht

hätte und das der Pilot diagonal anflog. Augenzeugen hörten noch, wie das Flugzeug mit

lautem Motorengeräusch aus Richtung Hinzweiler sich sehr tief näherte und sahen dann

einen hellen Feuerschein, der von einem Knall begleitet wurde. Vermutlich war es Sedgwick

nicht gelungen, den defekten Bomber waagerecht zu halten, oder er hatte in der Dunkelheit

die Neigung des Hanges falsch eingeschätzt und war dann mit der Tragfläche in den Boden

gerammt. Augenzeugen berichten, die Halifax habe auch noch einen Baum gestreift.

Der Gendarmerieposten St. Julian beschreibt das Ereignis so: „Am 18.11,1943 um 21.30 Uhr

setzte im Banne Oberweiler i. T am Südabhang des Hermannsberges ein in Luftnot geratener

viermotoriger Hali­fax-Bomber, der die englischen Hoheitszeichen führte, zur Notlandung an.

Bei dem missglückten Landungsmanöver überschlug sich die Maschine, was zur Folge halte,

dass der mitgeführte Treibstoff explodierte, den Bomber in unzählige Stücke zerriss und die

Trümmer in einem Umkreis von 200 Metern auseinander schleuderte. Mit der Explosion

entstand ein Riesenbrand, von dem die meisten Flugzeugteile erfasst wurden."

Wie immer in solchen Fällen, zog die Absturzstelle sogleich zahlreiche Neugierige an.

In der Nähe fanden Leute zum Beispiel ein Landerad der „L. London", das noch mit Luft
gefüllt war. Sogleich machten sich einige von ihnen mit Messern daran, Stücke des

begehrten Gummis herauszuschneiden, um sie etwa zum Sohlen von Schuhen zu verwenden.

Am nächsten Tag war natürlich keine Luft mehr in dem Rad. Solche Aktionen wurden damals

als Plünderung eingestuft, was auch der Landwirt Gustav V. aus Horschbach erfahren musste,

der einer der Ersten an der Absturzstelle gewesen war. Er war damals Obergefreiter auf dem

Fliegerhorst Altenstadt in Hessen und weilte gerade auf Heimaturlaub, Nach einem

entsprechenden Hinweis einige Tage später veranlasste der Bürgermeister von Horschbach

bei ihm eine Hausdurchsuchung durch die Polizei, bei der im Keller eine britische Fliegerhaube

gefunden wurde. V. wurde beim Oberstaatsanwalt des Landgerichts Kaisers läutern wegen

Plünderns angezeigt.

Die Absperrung des Wracks wurde abwechselnd durch die Landwachten von Hinzweiler,

Hundheim und Elzweiler sowie die Gendarmerie durchgeführt. Erst 9 Tage später traf ein

Aufräumungskommando vom Flughafenbereich 34/XII Metz ein, Ein Angehöriger, ein aus der

Ukraine stammender Volksdeutscher, war bei Familie Habermann in Oberweiler im Tal einquartiert.

Er berichtete dieser, er habe noch nie ein so total verbeultes Wrack gesehen.

Von den Motoren hätten sie nur zwei gefunden, einen in der Erde und einen außerhalb, und der

dritte und vierte steckten wohl noch irgendwo im Boden. Dort befinden sich die beiden

vermutlich heute noch. Das Bergungskommando benötigte nur 2 Tage, um den gröbsten Schrott

wegzuschaffen, Am 29. November 1943 konnte die Absperrung aufgehoben werden.

Der Lehrer Jakob Klein aus Niederalben notierte am 2.13.Dezember 1943 in seinem Tagebuch:

„Ich sehe mir am Bahnhof Niedereisenbach (heute Glanbrücken) die Reste des abgeschossenen

englischen Bombers an, der am Hermannsberg herunterkam und zum Abtransport lagert.

Drei Wagen sind dafür bestellt. Er ist ein großes Gepäck," Gelegentlich kommen heute noch

beim Ackern Reste des Bombers zum Vorschein. Auch bei einem durch Oskar Habermann

1998 vermittelten Ortstermin fanden Uwe Benkel, Axel Cordier und der Verfasser an der

Absturzstelle etliche Kleinteile aus der „L. London".

 

Das Schicksal der Besatzung

Was die Gefangennahme von Besatzungsmitgliedern aus der „L. London" betrifft,

ergeben sich folgende Hinweise:


Fallschirmspringer Nr. 1 und Nr. 2

Sie wurden in der Nacht vom 18. auf den 19. November 1943 in Bosenbach festgenommen

und durch den Bürgermeister der Gendarmerie Altenglan bzw. Kusel zum Abtransport übergeben.

Nr. 1 landete an der Straße Bosenbach - Friedelhausen in der Nähe der Wolfskirche,

Nr. 2 in der Langwiese zwischen Bosenbach und Niederstaufenbach.

Bei Nr. 1 handelt es sich um MG-Schütze Neil McVicar.


Fallschirmspringer Nr. 3
 

Er wurde in der Nacht des Absturzes in der Nähe des Wracks aufgegriffen.

Möglicherweise war dies Navigator Edgar Hoe.


Fallschirmspringer Nr. 4 und Nr. 5

Ein Kanadier und ein Engländer wurden, ebenfalls noch in der gleichen Nacht,

auf dem Bahnhof Eisenbach (bei Glan-Münchweiler) aufgegriffen und durch ein

Kommando des Flugplatzes Lachen- Speyerdorf abgeholt.


Fallschirmspringer Nr. 6

Er wurde am 19.11.1943 um 10 Uhr auf der Straße Horschbach - Welchweiler

durch den Landwachtmann Hermann Botz aus Weichweiler festgenommen.

Je ein Fallschirm wurde entdeckt bei Welchweiler und bei Elzweiler.

 

 

Neu McVicar im Juli 1943 in Mont Joli,

Quebec. Kanada. (Foto: Neil McVicar)

 



 

 

 

 

 

Nur im Falle von Neu McVicar wissen wir Einzelheiten über die Umstände der Gefangennahme.

Als er mit dem Fallschirm herabschwebte, gelang es ihm noch, einem Stromtransformator auszuweisen,

und er landete dann in einem gepflügten Acker am Rande eines Dorfes

(an der Straße Bosenbach - Friedelhausen). Da er seine Riegerstiefel verloren hatte,

als sich der Schirm öffnete, musste er auf Strümpfen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt

durch die harten Ackerfurchen stapfen: „Es schien, dass die Leute in dieser Gegend in ihren Dörfern

lebten und von dort aus ihre Felder außerhalb der Orte bewirtschafteten", charakterisiert McVicar

 unsere Gegend zutreffend. „In der Nähe befand steh eine Kirche [die Wolfskirche) und daneben

ein weiteres Gebäude, beide in der gleichen Beigen Farbe. Ich sah auch einen Friedhof und bemerkte

auf einem der Grabsteine das Malteser-Kreuz, was mich zu der Annahme brachte, dass ich in

Deutschland war. Ich ging in den Ort [Bosenbach] hinein, der, weil es schon spät am Abend war,

ganz im Dunkeln lag. Nach dem ich einige Busse passiert hatte, traf ich jemanden und ergab mich ihm.

Man brachte mich zum Bürgermeister und bot mir eine Zigarette an." Noch ein zweiter Flieger wurde

in jener Nacht durch das Haus des Bürgermeisters in Bosenbach geschleust. Die meisten der Gefangenen

aus der „L. London" machten dann vermutlich, wie damals üblich, auch mit dem Keller unter dem Kuseler

Rathaus Bekanntschaft. Jedenfalls erinnert sich McVicar an „ein Gefängnis, das wie der Stall einer

Weihnachtskrippe aussah, nur ein einziger großer Raum mit einer großen Tür und einer Verriegelung.

Als ich dort ankam, waren schon andere Besatzungsmitglieder da. und am nächsten Tag brachten

sie noch wertere. Später wurden wir nach Frankfurt zum verhör und danach ins Stalag Luft IV B

nach Mühlberg an der Elbe gebracht."

Lediglich der 23-jährige Pilot Arthur Sedgwick ist bei dem Absturz ums Leben gekommen. Man fand

seine halbverkohlte Leiche am Tag danach in den Trümmern liegt. Bei Sedgwicks Bergung durch die

Landwacht fiel auf. dass er schwere Verletzungen an der Brust aufwies und Münzen und Dokumente

bei sich trug. Ein Schreiner aus Oberweiler im Tal erhielt durch die Gemeinde den Auftrag, einen Sarg

anzufertigen. Französische Kriegsgefangene begruben den Gefallenen mit militärischen Ehren

„im ersten Grab rechts hinter dem inneren Tor" auf dem Friedhof von Oberweiler im Tal. Im Jahr 1948

wurde er durch eine britische Kommission exhumiert, auf Grund seines Siegelringes identifiziert und

auf den Militärfriedhof In Rheinberg bei Kleve überführt. Dort ruht er heute noch.

 

Waldstreitigkeiten zwischen Horschbach und Hachenbach

 

Gemeindewald / Streit um den Wald im Mayen


Wie aus den Akten des früheren Oberamtes Lichtenberg134) festgestellt werden konnte, hatte

Hachenbach ursprünglich zusammen mit den Gemeinden St. Julian und Eisenbach, auf einer Forsthube

in Mayen gemeinsam mit Horschbach, Elzweiler, Gumbsweiler und Welchweiler, Holz- und Weiderechte

(Recht auf Beholzigung, Eckerich und Weide). Es mußten dafür als Gegenleistung an die Landschreiberei

Lichtenberg alljährlich ein gewisser Rappen-Zins, als Anerkennungsgebühr, von den Gemeinden bezahlt

werden. Es handelte sich um die Nutzung der lautereckischen (Veldenzer) Hube der ehemaligen Grundherren

des Eßweiler Tales, der sog. „Stangen-Junker* und der Kratzen-Hube (Kratz von Scharfenstein) als

Besitznachfolger der Adeligen von Mühlenstein (Grumbach). Johann Mulenstein wird 1448 als Vasall

des Pfalzgrafen Stephan von Zweibrücken erwähnt135).
Dieser Gemeinbesitz auf Mayen (Bann Horschbach) wird in den Akten mit 129 Morgen Wald und 30 Morgen

Acker angegeben. Wie bei allem gemeinschaftlichen Besitz oder gemeinsamen Rechten, kam es auch

hier wiederholt zu Differenzen und Streitigkeiten wegen der Ausübung der Waldrechte unter den beteiligten
Gemeinden. Schließlich wurden die Differenzen durch einen Vergleich von 1675, der im Jahre 1699

erweitert wurde, beigelegt. Bei diesem Vergleich wurde festgestellt, dass künftig die Gemeinden St. Julian,

Eisenbach und Hachenbach nur noch in einem bestimmten Walddistrikt im Mayen ihre Waldrechte
ausüben durften. Nachdem St. Julian und Eisenbach den üblichen Zins einige Jahre nicht an die

Oberamtskasse entrichtet hatten, verstand es Horsch­bach, sich diesen Anteil für eigene Zwecke zu

sichern. Als die Gemeinde Horschbach auch den Hachenbachern ihren Anteil und die Waldrechte

auf Mayen streitig machen wollte, kam es erneut zu Differenzen. Die Hachenbacher machten geltend,
dass sie regelmäßig ihren .Zinsverpflichtungen gegenüber der Landschreiberei nachgekommen seien;

und damit ein Anrecht auf ihre alten verbrieften Rechte besäßen.
Die gegenseitigen Beschwerden beschäftigten viele Jahre das Oberamt Lichtenberg und am Ende kam es

zwischen Horschbach und Hachenbach zu einem Prozess, der am Sitz der Regierung in Zweibrücken

ausgetragen wurde. Mit Urteil des Gerichts in Zweibrücken vom 26. September 1744 wurde festgestellt,

dass die strittige „lautereckische Forsthube" in Mayen fortan den Horschbachern allein zugesprochen werde,

dagegen sollten die Hachenbacher dafür im Hermannsberge entschädigt werden.
Der neue Walddistrikt im Hermannsberg, der Hachenbach als Ausgleich zufiel, wurde von der „Kellenbach-Heck

und der Tholeyer-Hube" begrenzt. Als Erläuterung der geometrischen Zeichnung wurde noch angegeben:

„Von der Hohl bis zu den gehauenen Steinen bey dem Buchenwald, von da bis zum kleinen Sack und richt

hinein bis in die Bach". Der Hinweis auf die „gehauenen Steine" deutet wohl auf die Ruine und Mauerreste des
einstigen römischen Castells hin, das in einer Veröffentlichung des früheren zweibrücker Amtmannes Hoffmann

1585 erwähnt wurde und einstmals in alter Zeit auf dem Hermannsberg stand. Diese Annahme wird auch

von dem jetzt noch so genannten „Castellweg" im Hermannsberg und der am Fuße des Hermannsberges

gelegenen Gewanne „Am Steinernen Mann" bestätigt13*).
Der Gemeindewald von Hachenbach wird 1848 als Eichen- und Buchenwald Hermannsberg mit 138,75

Tagwerk bezeichnet und zwar: 43,75 Tagwerk haubares Holz, 33,50 Tagwerk Mittelholz und 61,50 Tagwerk

Jungholz. Der Wald ist auf dem Bann Horschbach gelegen. Auf dem Bann Hachenbach sind nur ganz kleine

Waldbestände: am Mühlrech (bei der Schloppmühle), im Kallmoch, am Senkberg und am Röthselberg.

Letzterer ist Besitz der Kirchschaffnei Kusel.
Der Waldbestand der Gemeinde wurde im Jahre 1936 im Vermögensausweis der Gemeinde mit 46,69 ha

angegeben und mit 30000 RM bewertet, Nach neuesten Feststellungen beträgt die Gesamtfläche 49,70 ha,

nach dem früheren heute noch vielfach gebräuchlichen Flächenmaß also etwa 150 Tagwerk.
 

Der Wolf in unserer Gemeinde

 


Er muss im 17. und auch im 18. Jahrhundert zeitweise sehr stark aufgetreten sein, so dass

die Stadt Kaiserslautern sogar Wolfsjäger anstellen musste. Sie hießen auch "Wolfskreiser".

Im Pfälzischem Flurnamenarchiv die die gesamten Flurnamen des Kreis Kusel besitzt lassen sich

aus diesen Bodenbenennungen Schlüsse ziehen. Insgesamt treffen wir in 41 Ortschaften des

Kreis Kusel mit "Wolf" gebildete Flurnamen an.
In Horschbach gab es auch eine Wolfskaut.
Darunter als weit aus häufigsten "Wolfskaut", d. i. Wolfsfanggrube, in nicht weniger als 21 Dörfern;
also muss dort der Wolf einst so Häufig aufgetreten sein, dass man es für nötig hielt, da wo er

mehrmals aufgetaucht und beobachtet worden war, eine solche Wolfsfangkaut anzulegen. Die obere

Öffnung war nur so groß, dass das Raubtier hineinfallen konnte; sie erweiterte sich aber nach unten,

so dass also ihre wände schräg einfielen, auch musste sie so tief sein, dass das gefangene Tier nicht

mit einem Hochsprung zu entkommen vermochte. Also prallte es beim Hochspringen gegen die überhängenden

Wände und konnte endlich mit einem Schuss von oben erlegt werden. Aber wie lockte man es in die

Wolfskaut hinein? Man verdeckte die obere Öffnung mit dünnen zweigen, am besten mit belaubten, legte ein

Huhn darauf, dem man die Beine zusammengebunden hatte, so dass es nicht entlaufen konnte, und die

Flügel so, dass es zwar damit "flatschen", aber nicht fliegen konnte. Erblickte nun der hungrige Wolf

das Huhn, stürzte er gierig darauf los, brach durch die verdeckten Hecken durch und fiel in die Grube.
 

 

Von Horschbach und dem Römerschloss auf dem Hermannsberg


VON LUDWIG MAHLER



Horschbach (frühere Schreibweise auch Horspach und Hargesbach) hatte nach dem „Handbuch

der Pfalz" von Dr. W. Gollan (erschienen 1956 in Neustadt/Weinstraße) eine Gemarkung von 705 ha —

davon 157 ha Wald — und zählte 386 Einwohner (380 Protestanten, 6 Katholiken). Der Ort hat heute

noch überwiegend bäuerlichen Charakter mit einem etwa 75%igen in der Landwirtschaft beschäftigten

Bevölkerungsanteil.

Horschbach liegt am Fuße des 539 m hohen Hermannsberges, der nicht ganz die Höhe des nahen

Königsberges erreicht, aber zwischen Wolfstein und Glan als beherrschender Höhenpunkt der Nordpfälzer

Berg- und Hügellandschaft gelten darf.

Horschbach bildete bis zum Jahre 1853 zusammen mit Elzweiler und der Lorenzenmühle eine gemeinsame

politische Gemeinde. Aus der wechselvollen geschichtlichen Vergangenheit ist Folgendes anzuführen:

Da die Orte mit der Endung . . . . „weiler" schon um etwa 600 — 750 entstanden sein sollen,

während die Orte mit der Endung . . . . „bach" erst viel später ab 900 nachweisbar sind, ist also das

kleinere Elzweiler in seinem Ursprung bedeutend älter als Horschbach.

Horschbach gehörte ursprünglich mit den übrigen Orten der Umgebung zum Reichs und Königsland,

das sich vom Donnersberg bis zum Glan erstreckte und auch in alten Dokumenten als Reichsforst öfters

erwähnt wird. Als oberster Grundherr des Ortes dürfte in alter Zeit das Erzbistum Mainz anzusehen sein.

Im Jahre 1130 fiel es mit dem Amtsort Nerzweiler (des Rheingrafen von Grumbach)
in den Besitz des Grafen Emich von Schmidtburg, des Stifters der Veldenzer Grafenlinie und kam 1393

mit den übrigen Nachbarorten des Eßweiler-Thales Ober- und Niederaschbach, Hinzweiler, Hundheim,

Oberweiler, Eßweiler und Hachenbach als Witthum an Margarete von Nassau, der Gemahlin von Friedrich III.

von Veldenz. Aus Dr. W. Fabricius' „Beschreibung des pfälzischen Teiles des Hochgerichts auf der
Heide" (die Wildgrafschaft zwischen Oberstein, Meisenheim, Lauterecken und Kusel) in der Westdeutschen

Zeitschrift für Geschichte und Kunst, Bd. 24 S. 101 ff. geht hervor, dass 1426 zum Gericht St. Julian auch

die rechts des Glans gelegenen Orte Gumbsweiler, Hachenbach und Horschbach gehörten. Als Blutrichter

über alle peinlichen Sachen waren in diesem Gericht die Wild- und Rheingrafen zuständig. Auch das Weistum

für das Eßweiler-Thal stammt aus der Zeit der Zugehörigkeit zur Herrschaft der Rhein- und Wildgrafen.

Nach einer alten Beschreibung des Eßweiler-Thales wurden 1515 in diesem Amtsbezirk 115 Hausgesesse

(Feuerherde) oder nach heutigen Begriffen Haushaltungen gezählt. 1575 gehörte Horschbach zur Pfarrei

Hirsau, die ursprünglich lutherisch war, aber ab 1595 als reformierte Pfarrei galt. Als das Eßweiler-Thal noch

in Hüben der 14 Grundherren dieses Gebietes eingeteilt war, wird als oberster Grundherr (mit 10 Hüben)

der Junker Friedrich Cratz von Scharfenstein genannt, der noch 1579 in Hirsau eine Hofstatt als Oberhof besaß.

Um etwa 1595 kam Horschbach mit dem Amt Eßweiler-Thal an Pfalz-Zweibrücken und gehörte von da an

zum Amt Ulmet im Oberamt Lichtenberg. Die Bodenfläche des Eßweiler-Thales umfasste, nach heutigem

Flächenmaß umgerechnet, 4134 ha, und zwar 2373 ha Ackerland, 1135 ha Wald, 518 ha Wiesen und

44 ha Wingert. Innerhalb der Gemarkung von Horschbach und im nahen Hermannsberg wurden wertvolle

Funde aus der Römerzeit gemacht.

Prof. Dr. Häberle (Heidelberg) berichtet darüber in den Pfälzischen Geschichtsblättern von 1913 auf S. 79:

Neben Tilmann Stella (Geometer am Zweibrücker Hof) hat auch der herzoglich zweibrückische Amtmann

Hoffmann in seiner Beschreibung des Amtes Lichtenberg aus dem Jahre 1585 manche wertvolle Nachricht

einfließen lassen. Die von ihm mitgeteilte Notiz über den Hermannsberg dürfte jetzt besonders interessieren,

sie lautet folgendermaßen:
„Im Eltzweiler Grunde baß hinauf, stoßt von der linken Hand her, verstehe an dem
Wasser hinauf zu rechnen, ein sehr hoher großer Berg, der Hermersberg genannt.
Von diesem berichten die Bauern, daß sie von ihren alten, die es dann weiter hero
von ihren Vorfahren auch also gehöret haben, daß uf dem Hermersberg, ufm dem
höchsten bey den hohen Eichen ein Schloß soll gestanden haben, welches die Heiden
gebawet (gebauet); wie es aber zerstöret sey worden weiß keiner darumb! Itziger Zeit
findet man noch viel großer gehauener stein daselbst, ich glaub es werden antiquiteten oder

sonsten etwas altes sein. Er ist trefflich hoch, man sihet ihn über Rhein sehr
weit und liegt in der Pfleg Hundheim ufm Rheingrafischen Gebiet."
Über die bei Horschbach bzw. auf dem Hermannsberg im Laufe der Zeit gemachten römischen Funde

(Kapitäle von Säulen, Statuen, Gemächer mit bemalten Wänden usw.) haben die Intelligenzblätter des

Rheinkreises wiederholt berichtet. Für einen Walddistrikt daselbst ist noch der Name „Castelweg" erhalten

geblieben.
Nachdem die Hirsauer Pfarrkirche zur reformierten Pfarrei geworden war, die später während des 30jährigen

Krieges nach Hinzweiler verlegt wurde, ist für die Lutheraner des Eßweiler'Thales und andere Orte der

Umgebung, wozu auch u. a. Bosenbach, Altenglan, Ulmet, Welchweiler und Gumbsweiler gehörten, eine Pfarrei

mit dem Sitz in Hundheim (1709) gegründet worden. Später wurde der Sitz der lutherischen Pfarrei nach

Hachenbach verlegt, wo sie noch 1720 bestand. Insgesamt gehörten 20 Orte von Altenglan bis Hundheim hierzu,

da die Lutheraner in dieser Gegend nicht so zahlreich vertreten waren wie die Reformierten.
1754 kamen die Orte Aschbach, Hundheim, Nerzweiler, Oberweiler, Hinzweiler wieder zum Wild- und

Rheingräflichen Gebiet zurück, während die übrigen Orte des Eßweiler-Thales, und zwar Eßweiler, Elzweiler,

Horschbach und Hachenbach, zweibrückisch blieben. Zu dieser Zeit hatten die vier Orte eine Gemarkungsfläche

von zusammen 1936 ha mit 1406 Einwohnern.
Die damalige Kleinstaaterei fand dann mit der Besetzung des linken Rheinufers durch die Franzosen zu Ende

des 18. Jahrhunderts ihr Ende, als wesentliche Teile von Kurpfalz, Pfalz-Zweibrücken und andere kleine

Hoheitsgebiete zum Departement Donnersberg mit dem Sitz in Mainz vereinigt wurden.
 

Zur Zeit der französischen Herrschaft im Jahre 1801 wird ein Bürgermeister (Maire)
Gilcher in Horschbach verzeichnet. 1800 hatte Horschbach mit Elzweiler 353 und 1802 331 Einwohner

(308 Reformierte, 15 Lutheraner, 8 Juden). Die Statistik verzeichnet 1801 in beiden Orten zusammen

49 Anwesen und in Horschbach l Kirche. Die Filialkirche in Horschbach (zur Pfarrei Hinzweiler gehörig)

dürfte im 18. Jahrhundert erst entstanden sein. Im Jahre 1816 war die Seelenzahl von Elzweiler und

Horschbach auf 408 angestiegen. In Horschbach wird 1815 ein Bürgermeister Görres genannt.

Laut Kaiserslauterer Anzeiger von 1814 sind von Horschbach nach Übersee ausgewandert:

Jacob Benedum, Michel Werner, Philipp Dick, Jacob Laub, Philipp Diehl. Die Grund-Personal- und

Fenstersteuer betrug 1814 in Horschbach 3554 Franken. Nach der gleichen Quelle (K'L.=Anz. Nr. 37)

gab es zu dieser Zeit im Kanton Wolfstein noch Wölfe, so dass sich die Kreisdirektion veranlasst sah,

zur Vertilgung der Schädlinge entsprechende Anordnungen zu treffen.

Im Jahre 1820 zählte die Gemeinde Horschbach (mit Elzweiler) 70 Haupt- und 90 Nebengebäude,

die Bevölkerungszahl stieg 1824 auf 451 und 1837 auf 614 (589 Protestanten, 25 Katholiken) an,

und 1846 wurden 92 Haupt- und 74 Nebengebäude im Gemeindebezirk gezählt.

In den Jahren um 1819 gehörte auch Bedesbach zur Bürgermeisterei Horschbach. Das
Amt des Bürgermeisters wurde von Peter Leyser (Bedesbach) bekleidet.

Adjunkt in Horschbach war Jakob Müller.

1848 ist in Horschbach Jacob Werner IV. Bürgermeister, Abraham Neu Adjunkt.

1853 wird dann Elzweiler selbständige politische Gemeinde, nachdem Bedesbach schon einige Zeit

vorher aus dem Verband der Bürgermeisterei Horschbach wegen zu großer Entfernung von den übrigen

Orten der Bürgermeisterei Horschbach ausgeschieden war. Horschbach zählte 1867 dann 397 und

Elzweiler 174 Einwohner. Im Jahre 1870 waren in Horschbach folgende Gewerbetreibende ansässig:

Metzger, Abraham, Krämer und Wirt; Dick, Joh. Dl., Krämer; Gabel, Andreas, Hufschmied; Kunz, Peter,

Hufschmied; Zimmer, Karl, Wagner; Geis, Abraham, Maurer; Sahm, Karl, Pflasterer; Sauer, Peter,

Kalkbrenner; Mannweiler, Jakob, Müller; Diehl, Ludwig, Viktualienhändler; Diehl, Jakob, Leineweber;

Metzger, Karl, Schuhmacher; Schreiner, Jacob, Schuhmacher.

Die Einwohnerzahl von Horschbach war 1871 auf 347 zurückgegangen, erreichte aber im Jahre 1888

wieder 375 (312 Protestanten und 35 Katholiken). 1880 war Daniel Metzger IV Bürgermeister und

Adam Gilcher IV Adjunkt in Horschbach. Im Jahre 1886 wird Peter Riehlmann aus Welchweiler als

Bürgermeister der Bürgermeisterei und Daniel Linn I als Adjunkt von Horschbach genannt.

Nach dem Buch von Heintz A. „Die Pfalz unter den Römern" (erschienen 1865 in Kaiserslautern) haben

die Römer zum Schutz des eroberten Landes auf den Berggipfeln meist Kastelle erbaut. Die römischen

Siedlungen waren mit einer Mauer umschlossen, die in spät.-römischer Zeit auch Schutz vor

eindringenden Germanen bieten sollten. Solche kleinere römische Ansiedlungen waren vielfach von

Veteranen römischer Legionen bewohnt.

Die Waldabteilung „Maien" in der Gemarkung Horschbach wurde früher von der Römerstraße, genannt

die „hohe Straße", berührt, die von Zweibrücken über Quirnbach, Altenglan, Ulmet, Lauterecken,

Meisenheim nach Kreuznach führte.

In der Gewanne am „Steinernen Mann" der Gemarkung Horschbach, unterhalb des Hermannsberges,

wurden im Jahre 1826 wertvolle Funde aus römischer Zeit gemacht, die als Beweis für die Existenz

eines römischen Kastells (Schloss) auf dem Hermannsberg gelten können, wie es bereits bei der

Beschreibung des zweibrückischen Oberamtes Lichtenberg im Jahre 1585 von den damaligen Bewohnern

der Orte angedeutet wurde. Das Intelligenzblatt des bayr. Rheinkreises in Speyer vom Jahre 1827

S. 253 brachte damals folgenden interessanten Bericht: „Nahe bei dem Dorfe Horschbach stießen im

Sommer 1826 Landleute beim Ackern ihrer Felder am Fuße des bewaldeten Hermannsberges auf Steine

und Mauerwerk. Sie machten sich nun daran, diese Hindernisse ihrer Arbeit durch Ausroden

wegzuschaffen. Sogleich bei dem Anfange ihrer Arbeit trafen sie unter gehauenen Steinen und Gußmörtel

Kapitale römischer und toskanischer Ordnung und mehrere Statuen an. Die Statuen von feinem, weißem

Sandstein, etwa 4 Fuß hoch, waren bei dem Auffinden schon zertrümmert, doch nur so, dass sie hätten

wieder zusammengesetzt werden können. Allein diese Bildsäulen wurden mit anderen Steinen als unnütz

in den nächsten Graben geschafft und daselbst von der Dorfjugend zertrümmert, um mit den schönen

Gliedern Spiel zu treiben. Zwei Köpfe und ein Stück einer Badewanne oder eines Beckens, welche

Herr Pfarrer Wenz in Hinzweiler zu sich nahm, sind im Intelligenz-Blatt Nr. 112 abgebildet. Die Bildung der

beiden Köpfe, so wie die Basreliefs auf dem Gefäße, sind in edler antiker Form nach richtiger Zeichnung

gebildet, in aller Schärfe der Plastik erhalten.

Als der Verfasser ein halbes Jahr nach der ersten Aufgrabung an diese Stelle kam, wurden die noch

vorfindlichen Trümmer der Statuen und Kapitäle im Graben aufgelesen und nach Horschbach gebracht,

worunter die merkwürdigsten waren:

1. Ein Bruchstück einer Statue, welche die Füße eines Mannes neben einem liegenden
Tiere darstellte. Der gehörnte Kopf des Tieres wurde erst nach dem Ausgraben
von den Dorfjungen abgeschlagen. Der männliche Kopf mit lockigem, dickem, rund
abgeschnittenem Haar, welchen Herr Pfarrer Wenz aufbewahrt, scheint dieser Statue
angehört zu haben. (Ein Merkur, wie er auf dem zu Meckenheim aufgefundenen Altarsteine

abgebildet ist.)

2. Ein Rumpf mit starker Muskulatur sowie ein Bruchstück von Füßen, neben welchen
eine Decke von Tierfell herabhängt, mögen einem Herkules angehört haben.
 

3. Von einer weiblichen Statue, welche beim Ausgraben in schreitender Stellung und
mit aufgehobenem Arm gefunden worden, aber nachher ganz zertrümmert worden ist,
sind nur noch der Kopf und die Füße vorhanden.


4. Ein schön erhaltenes Kapital römischer und einige Trümmer von Kapitalen und Gesimsen

toskanischer Ordnung.

5. Zwei Röhren von Bronze, jede einen halben Fuß lang und verzinnt, mögen als Röhre bei einer

Wasserleitung gedient haben. Bei weiterem Nachgraben wurde ein geplatteter Gang, von der

Breite einer Kegelbahn, aufgedeckt, nebenan fanden sich kleine kaum 10 Fuß breite und ebenso

lange Gemächer mit Farben ausgemalt, welche sich sehr frisch erhalten hatten. Die Spur der
Fußtritte wilder Tiere oder ihre Fährte fand man hier und in Hefersweiler abgedrückt in feine

gebrannte Backsteine. Herr Pfarrer Wenz hat einen solchen Abdruck aufbewahrt. Vielleicht

Votivsteine aus einem Dianatempel. Einige Jahre früher sind auf der Stelle der jetzt gemachten

Entdeckungen viele Bleiplatten von einer Dachbedeckung ausgegraben worden.

Es wird sich in der Folge noch mehreres Merkwürdige hier finden. Wo Götterbilder, Tempel-Säulen

und Badegemächer sich fanden, werden auch Altäre, Votivsteine und Münzen sich finden.

Als die Grundeigentümer keine Gegenstände fanden, welche für sie Wert hatten, aber sahen,

dass ihre Felder durch den aufgewühlten Schutt Schaden leiden, haben sie alles Aufgegrabene

eingeebnet und die für sie unergiebigen Nachgrabungen eingestellt.
Mögen nun diese festen Grundmauern einem römischen Tempel mit Bädern oder dem
Landhaus eines üppigen Römers zur Stütze gedient haben. Nun deckt sie ein Pflug
mit mageren Erdschollen, kaum hinreichend um Etwas von dieser Herrlichkeit der Vorzeit,

noch der späteren Zeit zu bergen."
Da diese wertvollen Zeugen einer großen Vergangenheit in der Erinnerung der Bevölkerung

immer mehr verblassen, hielt ich es für meine Pflicht, diese hochinteressanten Funde einmal wieder

für die Gegenwart aufzufrischen und zugleich einen kleinen Ausschnitt aus der geschichtlichen

Vergangenheit des Eßweiler-Thales damit zu verbinden.

Über dieses „Eßweiler-Thal" hat der aus Ulmet gebürtige Konservator Theodor Zink, Kaiserslautern,

in den zwanziger und dreißiger Jahren ds. Jahrhunderts öfters und ausführlich in Zeitungen und

Zeitschriften berichtet. Leider hat der Tod dem beliebten und allgemein anerkannten Heimatforscher

und früheren Volksschullehrer Th. Zink allzufrüh die Feder aus der Hand genommen.
 

Horschbach, Namensgebung

 

Im Jahre 1150 gründete Reinfried von Rüdesheim eine Mönchsniederlassung in

Offenbach am Glan und schenkte dieser Zelle Land in den umliegenden Ortschaften,

darunter auch eine Hofe (Hofgut) in der Gemeinde Horschbach. (Laut Pfalzatlas, Speyer,

Seite 875, 877) in der hierüber errichteten Urkunde wurde Horschbach erstmals erwähnt. 

Diese Erwähnung setzt voraus, dass die Ansiedlung zuvor bestanden haben muss. In welchem Jahr

der Ort tatsächlich gegründet wurde, konnte bis heute noch nicht festgestellt werden. Nachdem,

beim Amt für Früh.- und Vorgeschichte, vorhandenen Unterlagen, wurden auf der Gemarkung Horschbach

umfangreiche Funde aus der Römerzeit gemacht, die auf eine Besiedelung in diesem Zeitraum hinweisen.

Eine Epoche germanischer Volksstämme ist nicht nachweisbar. Laut Professor Ernst Cristmann, gehörte

der Ort zu dem Teil, der eine geraume Zeit nicht besiedelt war. Die Gemeinde Horschbach war ein Teil

des im Spätmittelalter wildgräflichen Eßweiler Tales". Laut Anton Doll", Landkreis Kusel, ist zur Besiedlung

dieses Gebietes u.a. folgendes aufgeführt. Der Siedlungsausbau des

Tales, dürfte in das 8. bis 9. Jahrhundert zu setzen sein. Die Gemeinde Horschbach zählte im Laufe der

Jahrhunderte zu folgenden Herrschaftsbereichen: Wildgrafen, Wild- und Rheingrafen, Pfalz- Zweibrücken.

Unter der Hoheit von Pfalz- Zweibrücken gehörte der Ort zur Schultheißerei Eßweiler. Beim Einrücken

der französischen Revolutionsheere wurden dann die Verhältnisse grundlegend geändert. Es endete

die Herrschaft des Herzogs von Zweibrücken. Es folgte die Eingliederung in den französischen

Staatenverband entsprechend den zentralstaatlichen Regelungen in Frankreich, das sich bis in unsere

Zeit (Kanton, Landkreis, Bürgermeisterei, Einnehmerei) erhalten hat. Seit dem 1.1.1972 gehört Horschbach

zur Verbandsgemeinde Altenglan. Zu Professor Ernst Christmann, finden wir die Siedlungsgeschichte der Pfalz:

Speyer 1952, Band 1, Seite 272, 273 aufschlußreiche Hinweise. Danach wurde die Siedlung Harges- oder

Hargebach, Harßpach, Horgesbach, Harspach genannt. Dies deutete Christmann, im Zusammenhang mit den

römischen Funden, auf Bach mit- oder bei einem Heiligtum. Der bereits erwähnte Textband zum Pfalzatlas

gibt uns auch Aufschluss über die Entwicklung der Einwohnerzahlen ab vergangenem Jahrhundert. Danach

hatte Horschbach in den Jahren 1825 = 359,1871 = 368, 1905 = 369, 1939 = 349, 1961 = 336 und

1999 =312 Einw. Horschbach besitzt noch einen Tante Emma Laden" mit Bäckerei sowie ein Gasthaus.

Wenn wir die, doch wechselvolle, Geschichte des Ortes Horschbach, ja des gesamten Gebietes betrachten,

welches jahrhundertelang Durchzugs- und Aufmarschgebiet von Heeren und Truppenteilen der Mächte war,

die in Mitteleuropa das Geschehen bestimmten, so können wir verstehen, dass die. damit verbundenen

Zerstörungen, die Ausbeutung der Bevölkerung keine blühenden Gemeinwesen hinterlassen haben.

In der Gegenwart konnte so manches unter Hilfe einer finanziellen Beteiligung der Menschen, die hier

leben aufgeholt werden.  Diese kurze Niederschrift lässt viele Fragen offen, so z.B. Aussagen über

Schule, Kirche oder vorhanden gewesene Handwerksbetriebe, die der Erwerbsstruktur u.s.w.

 

 

Sinn der Dorfnamen in unserer  Umgebung

 

Horschbach: (alt) Hargesbach = Bach bei einem Heiligtum an oder auf dem Hermannsberg (?)

Adenbach: (1379) gleiche Schreibweise = Bach des Ado

Albersbach: (1393) Alß-,(1430) Almsbach = wohl Benennung nach einem Mann dessen

Name mit Alb begann

Albessen: (1446) Albersaw = Aue des Alber oder des Albert

Altenkirchen: wurde im Gegensatz zu einer neueren Kirche benannt

Aschbach: (um 1250) Asbach ursprünglich Aspbach = Bach in einem Tal mit Asgen (Espen)

Becherbach: (1356) ebenso am Bach arbeiteten Pecher in der mundartlich  Bech zu bearbeiten

Bedesbach: (1464) Bechtelbach = Bach des Berahtîn (lies: Berachtîn) (?)

Blaubach: (1456) Blawbach = Bach mit blauschimmerndem Wasser

Bledesbach: (1477) ebenso, auch Blederßbach = Bach des Bladîn (?)

Bosenbach: (945) Basinbach = Bach des Baso

Börsborn: (1480) Berszborn = ?

Breitenbach: = Bach in einem breiten Tal

Cronenberg: (1411) gleiche Schreibweise = dürfte nach dem Kranich benannt sein der früher Kran

und auch Kron hieß

Einoellen: (früher Einöde) bedeutete früher ganz allein liegendes Hofanwesen

Eisenbach: (1270) Isinbach = Bach mit Eisenfunden oder Bach in einem Tal mit Eisengewinnung

Elzweiler: (1480) Eltzwilre =?

Erdesbach: (1456/60) Herteßbach= Bach des Herido

Eschenau: (1493) Eschenawe = Aue bei oder mit Eschen

Eßweiler: (1379) Eßwilre = Weiler des Ezo, Ezzo (lies: Esso)

Etschberg: (1387) Etzberg = "Berg mit einer Etze, d. i. einem Weideplatz"

Föckelberg: (1387) Föckelnberg = nach einem Fockilo (Person)

Frankelbach: (1438) Frankenbach = Bach des Franko

Friedelhausen: (1393) Fridelnhusen = zu den Häusern des Fridilo (heute: Friedel)

Gangloff: (1519) St. Gangolf = heiligen Gangolf geweihten Kapelle an einer heiligen Quelle gestellt

hatte, heidnische Zeit

Glan-Münchweiler: (1333) Münchwiler = Weiler der Mönche

Gumbsweiler: (1379/80) Gundeßwiler = Weiler des Gundhari, Gunthart o. ä.

Hachenbach: (1150) ebenso = Bach des Hacho

Haschbach am Remigiusberg: (1267) Hasebach = Bach in einem Tal mit auffallend vielen Hasen (?)

vgl. Fuchs-, Hirsch-, Elschbach u. ä.

Heinzenhausen: (1279) Heinzemanneshusen = zu den Häusern des Heinzemann

(Heinzemann ist Kosename von Heinrich)

Hinzweiler: (1263) Henß-, ohne Jahr : Hüntzwiler =Weiler des Hinzo oder des Hunizo

Hohenöllen: (1560 Hoenhellen) = hohen Helde, hoher Hang

Horschbach: (alt) Hargesbach = Bach bei einem Heiligtum an oder auf dem Hermannsberg (?)

Jettenbach: (1393) Gitten-, (1439) Gettenbach = Bach in einem Tal mit Unkraut

Kaulbach: (1437) Kulbach ursprünglich Kugelbach = Bach mit vielen Steinkugeln

Kreimbach: (1309) Creyenbach ursprünglich Krajenbach = Bach an einem Berg mit viel Krähen

(früher Krajenberg heute Kreimberg)

Krottelbach: (1330) Crofftelbach = Bach in einem kleinen Graben, Einschnitt, Tal

Kollweiler: ( 1320) Kolwiler = Weiler des Kolo

Körborn: (früher Kärwere)

Kübelberg: (früher Kefilenberc) = bei einer Burg mit einem kleinen Einschnitt (ahd. kevilo)

Langenbach: (1428) Langebach = langer Bach

Lauterecken: Lauterecke (Landspitze zw. Glan und Lautermündung)

Liebsthal: (1387) Liebenstall = stall (Stelle, Wohnstätte) des Liobo

Lohnweiler: (1361) Lonwilre = Weiler des Lono (?)

Miesau: (1411) Mimsoewe = Aue des Mimîn

Mühlbach: (1255) Mulebach = Bach mit Mühle

Neunkirchen am Potzberg: wurde nach einer "neuen Kirche" benannt die im Gegensatz zu einer

untergegangenen Kirche benannt wurde

Nerzweiler: (1387) Nerzwilre = Weiler des Nerizo oder des Nartizo

Nußbach: (1309) ebenso = Bach in einem Tal mit Nußbäumen

Obereisenbach: wie Eisenbach = (1270) Isinbach = Bach mit Eisenfunden oder Bach in

einem Tal mit Eisengewinnung

Ober u. Niederalben: keltisch, Gewässer anstatt Bach hier Alb = zu den Alben, an der Alb

Ober u. Niederstaufenbach: (1393) Obernstaufenbach = Bach mit Felsen

(gemeint ist der Teil des Reichbachs)

Odenbach: (893) ebenso = Bach des Odo

Ohmbach: (977) Ouenbach = bach mit Auen

Patersbach: (1428) Paderspach = Bach des Badhari

Quirnbach: (1132) Quern-, dann Quirnbach = Bach mit handbetriebener Mühle später natürlich mit Wasser

Rathsweiler: (1446) Ratzwilre = Weiler des Rathart, Ratwart o. ä. (?)

Rammelsbach: (früher Remmelsbach)

Reiffelbach: (1293) Rifelbach = Bach des Rîfilo

Reipoltskirchen:(1200) Ripolteskirchen auch Rurelskärche= bei der Kirche eines Rîchbald

Roßbach: (1544) ebenso = Bach mit daran gelegenen Roßweide (Gestüt)

Rothselberg: (ca. 800) Rode, auf dem Rode =von Roth am Selberg

Ruthsweiler am Glan: (1393) Ruzwilre = Weiler des Ruzo (?)

Ruthsweiler an der Lauter: (1438) Rutzwilre = Weiler des Ruzo (?)

Sand: ersten Siedler wohnten "im oder beim Sand", Sandboden

Selchenbach: (1262) ebenso = Bach mit vilSalweiden

Schönenberg: besagt daß die Siedlung an oder auf  einem "schönen Berg" entstand

Steinbach: (1541) ebenso = steiniger Bach

Tiefenbach: = Bach in einem tiefeingeschnittenen Tal

Ulmet: (früher Ulm - mont) d. i. Ulmenberg) = Berg mit Ulmen

Welchweiler: (1480) Welchwiler = Weiler des Welicho

Wolfstein: (früher Wollschte) = gleichnamigen Burg und die ältere Burg hinten im Wald auf einem

nach einem Wolfo benannten Felsen

 

 

Einwohnerzahlen aus den Hermannsberggemeinden

 

 

Datum Horschbach Elzweiler Welchweiler Insgesamt
im Jahre 1575
nach Krieg und Pest(1563)
7 2 ? 9
im Jahre 1800 353 mit Elzweiler 353 mit Horschbach ? 353
im Jahre 1800 gehörte Oberweiler noch zur Bürgermeisterei Horschbach      
im Jahre 1801 Bürgermeister ( Maire)  Gilcher      
im Jahre 1801 331 mit Elzweiler
(308 Reformierte,15 Lutheraner, 8 Juden)
331 mit Horschbach
(in beiden Orten 49 Anwesen,1 Kirche)
? 331
im Jahre 1815 Bürgermeister ( Maire)  Görres      
im Jahre 1816 408 mit Elzweiler siehe Horschbach ? 408
im Jahre 1819 gehörte auch Bedesbach zur
Bürgermeisterei Horschbach das später wegen zu großer Entfernung ausgeschieden war.
     
im Jahre 1820 70Hauptgebäude und
90 Nebengebäude mit Elzweiler
siehe Horschbach ?  
im Jahre 1824 451 mit Elzweiler siehe Horschbach   451
im Jahre 1837 614 mit Elzweiler
(589 Protestanten, 25 Katholiken)
siehe Horschbach   614
im Jahre 1846 92 Hauptgebäude
74 Nebengebäude mit Elzweiler
siehe Horschbach    
im Jahre 1853   wird Elzweiler selbständige politische Gemeinde    
im Jahre 1867 397 174    
im Jahre 1871 347      
im Jahre 1880 Bürgermeister ( Maire)
Daniel Metzger IV und sein
Adjunkt: Adam Gilcher IV
     
im Jahre 1886 Bürgermeister ( Maire)
Peter Riehlmann aus Welchweiler
Adjunkt: Daniel Linn Horschbach
     
im Jahre 1888 375
(312 Protestanten, 35 Katholiken)
     
im Jahre 1956 386      
01.09.1972 361 210 290 861
30.06.1975 361 211 262 824

Ich bin für weiter Infos dankbar!

Wanderung am Hermannsberg mit Jugenderinnerungen verbunden


VON RUDI LANZER


Am Fuße des Steilansteigenden Hanges, unterhalb des lang gezogenen Höhenrückens,

liegt in einem schmalen Taleinschnitt der friedlich stille kleine Ort Elzweiler, von wo aus

wir eine Wanderung in den nahen Hermannsberg unternehmen wollen.
Leer und verlassen, in sonntäglicher Ruhe haben wir in der frühen Morgenstunde die Dorfstraße

vor uns liegen. Nur der vereinzelt über den Dächern kräuselnde graue Rauch, der zaghaft aus

den wenigen Kaminen den blaudunstigen Morgenhimmel entgegenzieht, beweist, dass hier bereits

fleißige Frühaufsteher einen neuen Tag begonnen haben.

„Ein schöner Tag und gutes 'Wetter wird es geben", behauptet mein Begleiter, als wir unser

Auto im Dorf zurücklassend  losmarschieren, dem Ortsausgang und dem nahen Wald entgegen.

Die Sonne schickt sich an, ihre ersten Strahlen auf die Erde Niederzusenden. Uns scheint,

als möchte sie ihren Willkommensgruß darbieten und uns auf dem lieblichen Flecken begleiten.

Das muntere Plätschern eines klaren Quellwassers, der Sachsbach, der weit draußen entspringt

und der sich in vielen Windungen durch das stille Wiesenthal hindurchschlängelt, vermischt sich

mit dem Jubilieren der Vögel, dem leise rauschenden Blätterwerk der Bäume im säuselnden Wind

und unseren festen Schritten auf dem harten schmalen Talweg zu einem melodischen Lobgesang

auf den beginnenden Tag. In zerrissenen Schwaden zieht der Frühnebel durch das Tal und räumt

den warmen Sonnenstrahlen, die erst spärlich, dann einem sprühenden Feuerball gleich, das tau-
frische Gras berühren, das Feld.
Minutenlang ist die Landschaft in ein glänzendes, glitzerndes Meer voll funkelnder Kristalle getaucht.

Dann gelingt der goldenen Sonne der Durchbruch in den neuen Tag. Der erwachende Wald versucht,

die dunklen Schatten der vergangenen Nacht zu verscheuchen.
Eine ganze Weile ist der kleine von Pappeln, Erlen und dichtem Gebüsch umsäumte Bach zu unserer

Rechten unser Begleiter. Dort, wo er mit seinen kahlen Ufern dicht an den Weg grenzt, können wir das

Spiel der gleich blitzschnellen Pfeilen dahin schießenden kleinen und größeren Fische beobachten, wie

sie das mit Geröll übersäte Bachbett durchkreuzen.

„Forellen sind es, die sich hier in dem klaren Wasser tummeln und Wohlfühlen", erklärt mein Begleiter.

„Weiter Bach abwärts, unterhalb des Dorfes, sind sie schon nicht mehr .anzutreffen. Oft in den

heißen Sommertagen können sie sich nur noch in den wenigen Wasserhaltenden Pfützen, in den tiefer

gelegenen Stellen des Sachsbaches behaupten, wenn der kleine Bach nur mehr ein Rinnsal ist und das

wenige Wasser unterhalb der vielen Steinbrocken .und Stein dien hindurchsickert." „Auf Forellenfang

im Sachsbach waren wir in unserer Kindheit oft aus gewesen", sagte mein Begleiter. „Als Buben haben

wir sehr geschickt mit unseren Händen die flinken Gesellen des Wassers zu fangen gewusst. Wenn wir

tagsüber barfuss durch den Bach wateten und wir uns in unserem Element wohlfühlten, dort einen

Fisch unter einem Stein hervorholten, hier einen mühsam zwischen dem Wurzelwerk der Bäume packen

konnten, hatten wir eine abenteuerliche Beschäftigung nach der Schule, einen Heidenspaß und am

Abend einen recht guten Appetit, wenn uns Mutter die knusprig gebratenen Forellen aus der duftenden

Pfanne zum Abendbrot servierte."
„Einmal", so fährt der Freund fort, der hier groß geworden ist, „hatten wir schon große Beute gemacht.

Etwa 25 bis 30 Forellen mittlerer Größe hatten wir bereits gefangen und weil wir sie nicht mitschleppen

wollten, lebend in einen eigens hierfür hergerichteten kleinen Wasserloch in einer Wiese abgesetzt.

An ein Entkommen war nicht zu denken, glaubten wir, denn der Teich war weit genug vom Bach

entfernt, so dass wir nicht zu befürchten brauchten, sie könnten durch einen kühnen Sprung den
Bach erreichen. Zudem hatten wir den Ablauf des reichlich großen Wasserpfuhles zum Bach 'hin mit

einem hohen Wall abgedichtet. Das Pech sollte uns jedoch den weiteren Tagesablauf vergällen.

Als wir nämlich mit den nackten Füßen und den bis über den Knien hochgekrempelten Hosen weiter

Bach aufwärts gingen, verspürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz im Fuß. Ich war in eine

Glasscherbe getreten und hatte mir eine heftig blutende Wunde zugezogen. Jedoch hielt mich dies

nicht davon ab, weiter mit meinen Freunden den erfolgreichen Fangzug fortzusetzen. Zwischenzeitlich

waren uns noch einige kräftige Forellen in die Finger geraten, die wir allerdings gleich durch einen

kräftigen Schlag auf die Kiemen abschlachteten. Die Sonne war verschwunden und einer drohend dunklen

Wolkenwand gewichen. In einer besonders tiefen Stelle im Bach wussten wir noch einige Fische, die zu

fangen man sich vor dem Helmweg nicht entgehen lassen wollte. Und schon fühlte ich in einem Hohlraum

verschlungener Wurzeln den glitschigen Leib einer besonders kräftigen Forelle, die ich aber nicht zu packen

vermochte. Meine Kameraden kamen mir zu Hilfe, indem sie von der anderen Seite des Wurzelwerkes dünne

Äste durchsteckten und mir so den Fang näher brachten, den ich ganz plötzlich fest und sicher in meinen

Händen verspülte. Aber, oh welch ein Schreck! Als ich die mühevoll eingefangene Beute über den

Wasserspiegel brachte, hatte ich eine Wasserratte zwischen den Fingern. Mit der Beherrschung war es

vorbei. Den fetten Fang fallen lassend und am ganzen Körper schlotternd vor Angst und Schrecken wollte

ich schnellstens das Wasser verlassen, rutschte auf einer glatten Steinplatte aus und fiel rücklings in

den Bach. Meine Freunde zogen mich klitschnass als fettesten Fang des Tages aus dem Wasser.

Und jetzt erst bemerkten wir das heraufgezogene Gewitter. Plötzlich regnete es in Strömen, blitzte es und

donnerte, dass uns Hören und Sehen verging. Als wir eine halbe Stunde später Zuhause ankamen, waren

wir alle gleich nass. Die Kleider klebten uns am Leibe und eine Tracht Prügel für jeden von uns war fällig",

schloss der Fischerknabe von damals sinnend lächelnd und blickte an mir vorbei.
„Na, wenn schon", entgegnete ich, „jedenfalls war die Freude über den guten Fang und die leckere Mahlzeit

ein Pflaster auf all den Kummer gewesen!" „Denkst du!", lachte der Freund, „ganze vier Forellen waren uns

geblieben. Für jeden von uns ein halber Fisch." „Wieso", fragte ich erstaunt, „die dreißig Forellen, die ihr

im Teich zurückgelassen habt?" „Sie sind uns entwichen", fiel er ein. „Der vom Gewitterregen

angeschwollene Bach war über das Ufer getreten, spülte den errichteten Wall und unsere Fische fort.

Die Forellen hatten ihre Freiheit wiedergewonnen. Es war dies unser letzter gemeinsamer Fischfang

gewesen, den wir im Wasser des Sachsbaches unternommen hatten."


Wir aber marschierten weiter in den sonnigen Tag hinein, ein jeder mit eigenen Gedanken beschäftigt.
Links unseres Weges haben wir den steilen, Baumbestandenen Hang, der bald einem mächtigen

Felsenkonglomerat auf 100 Meter Länge einen Platz einräumt. Die von dunklem Moos überzogenen,

Kieselsteindurchsetzten bizarren Felsbrocken können wir im Laufe des Tages noch an verschiedenen

anderen Stellen des Hermannsberges sehen.
„Es ist dies unser Reich gewesen, wo wir beim Spielen und Umhertollen, beim Besteigen der Felsen

einen Teil der Jugendzeit verbrachten", erklärte mir mein Freund.

„Die alte Tanne, die gleich einem schwerelosen Bündel aus Stamm und Wurzelwerk am losen

Felsgestein klebt, trotzt nun schon über 20 Jahre in der gleichen Stellung jedem Sturm 'und

Wetter", fährt er fort. Ich zweifelte keinen Augenblick an dieser Behauptung und stellte fest,

dass das Freigespülte Wurzelwerk, welches einem Tausendfüßler gleicht, fest im Boden verankert ist.

Zwar meint man, ein kleiner Windstoß dürfte genügen, um den nächsten Baum zu fällen. Unserer

Aufmerksamkeit ist es aber nicht entgangen, dass außer den mächtigen Freigespülten Wurzeln

noch solche tief in den Steinhang hineinragen. Fürwahr, die Natur treibt oft seltsame Spiele mit

ihren Geschöpfen! Nach halbstündigem Wandern über den holperigen Talweg erreichen wir jene

Stelle, wo wir uns entscheiden müssen, welchen Weg wir nehmen. Inmitten eines vom Wald

begrenzten Wiesengrundstücks, im schattigen Tal hat die Natur eine sonderbare Verkehrsinsel

geschaffen. Die Menschen haben diese Gegebenheit ausgenutzt und in verschiedenen Richtungen

führende Wege ausgebaut.

Wir wissen, dass der parallel zu dem Weg, den wir gekommen sind und der jenseits des Tals am

Hang entlangführt, uns nach Welchweiler bringt; und dass die beiden holperigen Feldwege geradeaus,

die nur von einer tiefen Schlucht getrennt sind, lange Zeit nebeneinander ziehen, ehe sie nach links

und rechts abbiegen und zu den Feldern unterhalb des „Steinernen Mannes" bzw. zu der Altenglaner

und Bosenbacher Gemarkung führen. Eine wesentlich bessere Strecke, nämlich der Hauptweg, zieht

sich bis zum Schneeweiderhof oder führt in die eine Stunde vom Ort entfernten Äcker, die von den

wenigen Bauern aus Elzweiler bewirtschaftet werden. Wir wählen den von hohem Gras, vom Unkraut

überwucherten Weg, der dicht neben dem Bach verlauft und uns in den dunklen Wald bringt.

Überhängende Äste, nasse Stellen und ein weicher Teppich aus vermodertem Laub verrät uns, dass

über diesen Weg selten noch ein Fuhrwerk rollt. Wer die Ruhe und Stille des Waldes und die Erholung

sucht, der kann sie nirgends besser finden als hier.

Zwei wundersame Bäume dicht neben dem Weg lenken unsere Aufmerksamkeit auf
sich. Ähnlich wie bei der bereits geschilderten Tanne, so ragen auch hier wieder wuchtige Wurzelstämme

talseitig frei aus. Sieben senkrecht stehende Buchenstämme verschiedener Dicke finden Nahrung und Halt

an diesem kuriosen Wirrwarr in sich verschlungener armdicker Wurzeln, die entlang des Weges freihängend

einen für Kinder leicht zu benutzenden Durchgang bilden.


Ganz in der Nähe erspähen wir in zwei künstlich angelegten Fischweihern abermals Forellen, die sich in

dem vom Wasser des Sachsbaches gespeisten Teich tummeln. 50 Meter davon entfernt, am Rande

einer Lichtung, entdecken wir eine schmucke Jagdhütte mit einem schönen Freisitz, der uns zur

kurzen Rast einlädt und uns einen schonen Ausblick in das Tal ermöglicht.

Nun aber wird der Weg mehr und mehr beschwerlicher. Waldmeisterduft durchzieht
die enge Schlucht, durch die wir weiter wandern, den schimmernden Wasserlauf noch
immer als Begleiter. Brombeer- und Himbeersträucher und der karge Baumbestand
kleben an den Geröllübersäten Steilhängen. Noch einmal sind es zwei mächtige Buchen, in deren

Rinde unzählige Namen und Daten eingeschnitzt sind, die uns Bewunderung entlocken. „Die eine,

mit einem Umfang von 2,75 Meter, ist Eigentum der Gemeinde Hachenbach, die mit dem mächtig

hohen Stamm und dem Umfang von 4 Metern gehört zu Elzweiler", erläutert mein ortskundiger Begleiter.

„Zwischen den Baumriesen verläuft nämlich die Gemarkungsgrenze und weshalb die
Hachenbacher gerade hier ein Waldstück besitzen, das über 10 Kilometer von ihrem
Dorf entfernt liegt, ist eine eigene Geschichte wert. Jedenfalls wird behauptet, dass die
arme Gemeinde Elzweiler ihr gehört nämlich nur ein Drittel des Hermannsberges vor einigen

100 Jahren zwei Drittel ihres Waldbesitzes im Hermannsberg den Horschbachern und den

Hachenbachern vermacht, d. h. gegen Schnaps ausgetauscht haben."

„Nicht weit von hier sind auch die beiden Quellen anzutreffen, deren Wasserarme sich
zum Sachsbach vereinigen." In der Stille des Waldes, im abgelegensten Teil des

Hermannsberges, dort wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht" sagen, wo nur das Gezwitscher

der Vögel und ab und zu ein Aufgeschrecktes Stück Wild unsere einsame Wanderung belebt,

laben wir uns an den mitgenommenen Butterbroten. Ein Schluck kühler Tee und die karge

Mahlzeit kräftigen uns und wir streben alsbald der Höhe und dem Gipfel des Berges zu. „Selten
daß sich nach hier eine Menschenseele verirrt", sagt mein Freund. „Dazu ist der nächste Ort viel

zu weit entfernt und das unwegsame Gelände schuld. Zudem ist es wochentags nicht ganz so

friedlich hier, denn das Dröhnen der mächtigen Maschinen aus dem Brechwerk und dem

Steinbruchbetrieb Schneeweiderhof hallt bis hier herüber."

Auf steilen Wegen, über holperige Wildpfade unter Schattenspendenden Bäumen hin-
durch, an riesengroßen Flächen Heidelbeersträuchern vorbei erreichen wir endlich das
Plateau des Hermannsberges und sind, so behauptet mein schwitzender Gefährte,
„539 Meter über dem Meeresspiegel".

Durch eine Lichtung hindurch erblicken wir in der Ferne die Weinberge links des Glantals.

Eine wunderbare Aussicht auf die Berg- und Hügellandschaft des Westrichs und darüber hinaus

wird uns zuteil, als wir vom Gipfel aus den Rundblick in die Walte genießen.

„Bei klarem Wetter hatte man vor Jahren noch von hier aus das schimmernde Band
des Rheinstromes ausmachen können; und zwar von jenem hölzernen Turm, der an
dieser Stelle als trigonometrischer Festpunkt errichtet und vor einigen Jahren abgebaut,

besser gesagt ,gestohlen wurde'."

Nach einer ausgiebigen Ruhepause geht's im Laufschritt bergab. Der Steilabfallende Berg gibt

uns das Tempo an, 'so dass der Abstieg weitaus schneller verläuft als wir es mögen.

„Bergab helfen .alle Heiligen", lacht mit jungenhaftem Gesicht mein Freund mir zu und setzt

mit kühnem Schwung über einen Baumstumpf hinweg, so als wäre er noch der Lausbub von einst.

Vor einem mächtigen Steinquader macht er halt und deutet auf einen handbreiten Spalt unter

dem  kiesseligen Fels: „Dies ist die so genannte ,Steinerne Kist'. Der Sage nach soll hier ein

unermesslicher Schatz begraben liegen. Versucht hatten wir wohl denselben auszugraben.

Der Fels ist jedoch so mächtig, die Arbeit zu schwer gewesen. Dennoch waren unsere Ausgrabungen

nicht ganz umsonst: Einen Dachs konnten wir nämlich damals einfangen. Allerdings war uns ein Jäger

mit seinem Hund behilflich gewesen", gestand er ehrlich ein.

Längst war es Nachmittag, als wir dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, dem nunmehr lebendigen

Dorf Elzweiler, zustrebten. Einen Rundgang hatten wir unternommen. Schöne Stunden in Gottes freier

Natur hatten wir verbracht. Die beschauliche Ruhe, die von den Bergen unserer Heimat ausgeht,

hatten wir erlebt.

Bei einem kühlen Trunk, in der Wirtschaft des Dorfes, wo wir uns im Kreise einer lustigen Schar

Menschen wieder fanden, ließen wir den schönen Tag ausklingen. Meinem Freund schrieb ich die

Worte ins Notizbuch:


„Erinnerungen der Jugend werden einst Dich stets begleiten, dort wo Du als Kind gegangen bist.
Lass immer das Leben so weiter schreiten, damit Du nie Deine Heimat vergisst."

 

Rudi Lanzer